Bundesarchiv Bild 183-H26995, KZ Dachau, Leiche vor Verbrennungsofen

KZ Dachau, Leiche vor Verbrennungsofen

Die Stadt Belo ist als einer der fortschrittlichsten Städte auf den ganzen Philippinen bekannt. Für Fremde blendet sie meistens mit großen kommerziellen Gebäuden in der poblacion, riesengroßen Einkaufszentren, breiten Straßen, zackigen Polizisten, sauberer Umgebung, und Leuten die nicht in öffentlichen Orten rauchen. Für die Einheimischen in Belo ist dies alles bereits normal. Wenn man sie fragt wie dies von der Stadt Belo erreicht wurde, antworten sie meistens sofort, dass es an ihrem Bürgermeister Bantaleon* liegt. Er soll in punkto Disziplin nicht nur mit der Polizei sondern gegenüber allen Bürgern sehr streng sein. Er sagt ganz offen, dass es in der Stadt Belo für Kriminelle keinen Platz gibt, und dass sie gehen sollen, wenn sie nicht in der Stadt Belo getötet werden sollen. Er sagt dies oft und es wird durch die Hunderten an Getöteten in der Stadt bewiesen. Manchmal gibt er zu, dass er Kriminelle selber tötet. Er tut auch nichts gegen die, die von Bürgerrechtsorganisationen als Schergen bezeichnet werden. Manchmal hat er schon die Namen einiger Kriminelle genannt, und sie wurden nach einigen Tagen oder Monaten tot aufgefunden. Salvaging oder “Bergung” wird dies genannt. Die meisten aus Belo sagen, dass dieses System in Ordnung ist. Sie freuen sich, wenn sie in davon hören, dass Taschendiebe, Einbrecher und andere Kriminelle getötet wurden. Das ist ja in Ordnung! Es werden ja nur die Geißeln der Gesellschaft getötet! Diese Ansicht ist bei ihnen bereits normal. Mang Juan* ist einer, der sich darüber freut.

Mang Juan hat ein einziges Kind, Jose. Jose ist neunzehn Jahre alt und wird in einem Semester mit dem College fertig sein. Mang Juan nennt ihn seinen Diamanten. Fleißig. Intelligent. Verantwortungsbewusst.

Es kam dazu, dass Jose bei Einbruch der Nacht durch die Gräser nach Hause lief. Noch einige Augenblicke, und Jose sah, wie ein Mann einen knieenden und um Gnade flehenden Teenager erschoss…

Bis Mitternacht wartete Mang Juan auf Jose bis er einschlief. Am nächsten Morgen wurde er durch den Lärm seiner Nachbarn geweckt. Er ging aus dem Haus heraus und fragte was passiert war. Sie sagten, es wurden welche getötet und in der Nähe des Friedhofs entsorgt. “Dass ist gut! Die Geißeln der Gesellschaft! Geschiet Ihnen Recht,” sagt Mang Juan sofort. Er ging mit den Nachbarn als Schaulustiger mit. Viele Leute standen herum. Sie tuschelten. Geschiet ihnen Recht. Schaut was für Kriminelle das sind. Passt zu ihnen. Mang Juan quetschte sich zwischen die Menschen bis ihm liegend… zwei Leichen erschienen. Eine mit Tätowierungen auf dem ganzen Körper. Die andere war der, auf den er die ganze Nacht gewartet hatte.

Er schaute zum blauen Himmel hinauf, der auf einmal einen Riss zu haben schien… darauf folgte ein spitzer Schrei, wie der eines Hundes, der einen Welpen verloren hat…

Am 19. Dezember 2015 in München von Irineo B. R. Salazar aus dem philippinischen Original übersetzt.

(Anmerkung des Übersetzers: “Mang” ist eine Bezeichnung für Männer des einfachen Volkes auf den Philippinen, Bantaleon ist ein Wortspiel auf banta – Warnung, und Leon – Löwe)

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